Stark in Schwäche

Am Abend eines anstrengenden Tages sitzt du dann auf der Couch. Die Liebste und du haben die Laptops auf den Beinen und du schaust in Facebook bei einem guten Freund in den Status und liest:

Wer vor seiner Vergangenheit flieht, verliert immer das Rennen.
Thomas Stearns Eliot

Heute Nachmittag saß ich allein auf der Couch – aufgelöst. Dem Gefühl inne, alles nicht zu schaffen. Alles sei zu viel. Dem Aufgeben nahe.

Dann kommt die Liebste nach Hause und wirft ein völlig neues Licht auf die Situation. Ihre geheime Superkraft: Die Stärke eines Menschen sehen, wo er sie selbst nicht sieht.

Zum Davonrennen

Du sitzt in der Bahn, willst die Liebste von der Arbeit abholen, hast Linkin Park auf dem Ohr. Und dann brüllt die Chester ins Ohr: “I wanna run away, never say good bye. I wanna know the truth, instead of wondering why.” Und dann siehst du die Wellen der Vergangenheit, wie sie in reißenden Fluten hinter dir her sind. Brausend, schäumend, schwarz, vernichtend. Erinnert ihr euch an die Bilder von den Tsunamis in Japan und Südostasien?

Und du stellst dir die Frage, ob du dich diesen Wellen wirklich stellen willst, obwohl dir zum wegrennen ist. Nun habe ich vor circa einem halben Jahr inne gehalten und laufe den Wellen entgegen, die scheinbar alles zermalmen, was ihnen in den Weg kommt.

An manchen Tagen fürchte ich mich vor meinem eigenen Mut. Manchmal möchte ich mich nur in Sicherheit bringen und von neuem anfangen, wenn sich die Wellen der Vergangenheit verzogen haben. Manchmal.

 

Ein Prediger

Der eine oder andere mag ja wissen, dass ich mich den Jesus Freaks Bremen und dem christlichen Glauben zugehörig fühle. Ich bin nun einer von jenem Schlag, der seinen Glauben auch aktiv auslebt. Ab und zu predige ich bei in meiner Gemeinde – und wenn man mich fragt auch in auswärtigen Gemeinden.

Bei den Freaks werden die Predigten meist aufgenommen. Und an dieser Stelle möchte ich nun auf eine neue Seite auf dem Blog hinweisen, die meine Predigten enthält. Zusätzlich zur Seite gibt es die Predigten auch als Podcast.

Wer also mag, der schaue rein oder abonniere.

 

Für Oma

Mir schwirrt es schon seit ein paar Tagen im Kopf herum. Meine Oma hätte morgen Geburtstag gehabt. Es wird das erste Mal sein, dass ich am neunten Mai nicht bei meiner Oma anrufen werde.

Bei Frau Perle las ich heute ähnliches.

In Gedenken wurden zwei Bildchen gestaltet und an Frau Perle geschickt. Nachdem wir die Fotos gemacht hatten, klarte ein Stück des Himmels auf. Ein schönes Zeichen, wie ich finde.

An Gedenken an Oma hängt nun ein kleines Herz bei uns im Fenster – hatte sie doch ein großes Herz für ihre Enkel. Ein Herz, dass mich an sie erinnert.

Ein Herz für Oma

Wind in den Segeln…

… oder Sturm, der sie zerreißt?

Manchmal gibt es Situationen im Leben, da denkt man, man verliert den Boden unter den Füßen, vieles erscheint vage und ein Großteil der Vergangenheit erscheint auf einmal in einem anderen Licht.

Gestern war es mal wieder soweit. Heftiger Wind kam auf und wir wurden ganz gut durch gerüttelt. Bis vier Uhr wachliegen und nicht schlafen können inbegriffen. Es sind Nachrichten, die dich herausfordern, vielleicht überfordern.

Ich fühlte mich gestern überfordert – sah die Erholungserfolge der letzten Wochen dahinschwinden. Ich sah kein Land mehr. Um mich herum nur noch Wasser, Wellen, Wind. Ich lag am Boden, könnte mich nicht bewegen, jede Bewegung schmerzte.

Und heute? Der Ursprung des Sturmes ist immer noch da. Der Wind schmerzt nur nicht mehr so sehr im Gesicht. Die Segel sind intakt, der Sturm hat sie nicht zerrissen. Was tun? Ja, richtig. Segel setzen und den Wind nutzen, um vorwärts zu kommen.

Wir haben ein Ziel. Und einen Weg. Und wir werden das Ziel erreichen.

In diesem Sinne – Ahoi!

PS: Vielleicht werde ich demnächst mal konkreter, um was für einen Sturm es sich gehandelt hat. Meine Worte sind nur grade Eindrücke aus der Situation. Aber vielleicht findet sich ja jemand darin wieder.Mir macht es Mut, dass auch schlimme und schmerzende Nachrichten, Kraft geben können.

Ein Genießertag

Ich habe es gern, wenn ich am Ende eines Tages sagen kann, dass ich ihn genossen habe. Heute war mal wieder ein solcher Tag. Es geht aufwärts und das ist gut so.

Immer wieder staunte ich heute darüber, dass ich Dinge anpacken und tun wollte. So haben wir heute die Einladungskarten für die Hochzeit fertig stellen können. Eine mehr oder weniger spontan beschlossene Sache, gab es doch ein paar Probleme mit der Buchhaltung der Gemeinde.

Eine spontane Änderung im Tagesablauf, so wie sie heute stattfand, war vor ein paar Wochen für mich noch ein Anlass komplett im Chaos zu versinken. Wenn ich nun auf den Weg zurückschaue, den ich bereits hinter mir habe, staune ich ein wenig. Und habe Freudentränen in den Augen, dass ich schon so weit bin.

Auch den Rest werde ich meistern, das sei gewiss. Und gibt es auch anstrengende und weniger gute Tage, nehmen sie doch ab und die guten gewinnen an Anzahl. Eine freudige Entwicklung. Das kann so weiter gehen :D .

Seltsame Zeiten

Oder: Wenn Kopf und Gefühle sich nicht einig sind und sich dann doch zusammen finden.

Kennt ihr das, wenn das Hirn sagt: “Es geht weiter, es wird besser” und das Herz oder die Gefühle einem vorgaukeln: “Hmmbmm bbmm grmm hmpfm bmm”. Also dass es so bedrückt ist, dass es nicht sprechen kann?

So war es bei mir die letzten Tage – bis zum letzten Blogpost. Dann kam der Kopf und hat das Herz freigeräumt. Die beiden laufen nun wieder gemeinsam. Es fühlt sich toll an.

Level Up

In der Januszeit hatte ich ja schon geschrieben, dass ich zur Zeit sehr mit mir selber zu kämpfen habe. Das Erholen fällt schwer und geht nur sehr langsam. Das geht nun auch schon eine recht lange Weile so. Vor der Beerdigung meiner Oma habe ich bei meinem Bruder auf dem Sofa nachgezählt, dass ich nun schon die achte Woche krank geschrieben bin.

Bis vor kurzem fühlte ich mich wie ein Akku mit Memoryeffekt. Ich war bei 10% stecken geblieben, höher hinaus ging es nicht. Vor ein paar Wochen wurde dann der Memoryeffekt geknackt, der Akku begann weiter zu laden als die 10%. Ein Highlight der letzten Wochen. Ich saugte frische Luft und Kraft in mich auf. Ein großartiges Gefühl, sich befreit zu fühlen. Frei von den Bedrückungen der letzten Jahre, frei von Druck, frei von Selbstvorwürfen. Gestärkt durch Zuversicht, ein Licht am Ende des Tunnels, den Silberstreif am Horizont.

Ich traute mit wieder Dinge zu, saß einige Zeit am Computer. Ein bisschen zuviel wie sich nachher festellen sollte. Es kam zum Einbruch. Glücklicherweise fiel ich dann nicht komplett auf null zurück, es ging mir erholter als zu Beginn der Krankenzeit. Auf diesem Level steh ich nun schon einen Weile. Die Erholung geht weiterhin langsam von statten. Wahrscheinlich durch die Beerdigung meiner Oma bedingt.

Viele Tage sind nun recht mittelmäßig, ich empfinde nur selten Regeneration. Nachwirkungen der Beerdigung – wahrscheinlich. Ich hoffe nun, dass es die nächsten Tage wieder besser wird. Eins steht fest, es wird mir besser gehen. Tief im Inneren weiß ich das. Und wenn ich es vergesse, ist die Liebste da, um mich dran zu erinnern.

Also Credo für die nächsten Tage: Level Up.

The day before

Morgen ist er da. Der Tag. Ein Tag, den ich auf der einen Seite herbei sehnte, auf der anderen Seite aber froh bin, wenn er vorbei ist. Morgen ist der Tag, an dem meine Großmutter bestattet wird. Meine erste Beerdigung.
Grade heute wurde mir wieder bewusst, welch großen Teil sie un meinem Leben hatte. Als Kinder hatten wir immer wieder bei ihr übernachtet. Nach der Schule stand bei ihr immer das Mittagessen auf dem Tisch…
Und morgen werden ihre Kinder und Enkelkinder auf dem Friedhof stehen und ihr das letzte Geleit geben. Eine Möglichkeit Abschied zu nehmen.
Am Tag davor sitze ich zusammen mit der Liebsten beim Bruderherz – und warte auf den nächsten Tag. Was wird mich erwarten? Wie werde ich mich fühlen, wenn die Beerdigung vorrüber ist? Wie ist die Stimmung allgemein in der Familie? Alles Fragen die in meinem Kopf herumschwirren.
Morgen wird kommen und gehen. Und danach wird es weiter gehen. In unserem Jahr.

Unheilig – Ein Konzert wie eine Zeitreise

Vor kurzem hatte mich die liebste Frau Feuerengel zum Unheilig-Konzert ins Bremer Pier2 eingeladen. Ursprünglich auf einen Samstag angesetzt, musste es leider verschoben werden. Der Graf war erkrankt. Am Mittwoch war es nun soweit.

Wir trafen kurz vor dem offizellen Einlass am Pier2 ein. Die Schlange der potentiellen Konzertbesucher reichte schon recht weit – der Ossi in mir freute sich schon auf Bananen. Die Schlange rückte recht zügig weiter, wurde dabei aber nur unmerklich kürzer. Uns egal, wir waren ja drin.

Dann kam die bekannte Prozedur: Karte abreißen, abtasten lassen, zur Garderobe. Nachdem ich die Jacke abgegeben hatte, durfte ich noch kurz Ostern nachfeiern. Die Suche nach dem Jackenzettel begann. Hatte ich ihn verloren? Irgendwo hingesteckt wo ich ihn nicht fand? Nach fünf Minuten wildester Sucherei und einigen verlorenen Nerven ging es dann nochmal zurück an die Garderobe. Die nette Bedienung grinste schon, als ich sagte, ich hätte den Zettel verloren. Das stimmte nämlich nur teilweise. Ich hatte ihn einfach an der Garderobe liegen lassen.

Nachdem mir dann die liebe Begleitung den Zettel abgenommen und in Verfahrung gebracht hatte, liefen wir Richtung Bühne. Nach einer kurzen Wartezeit wurden auch schon die Kerzen auf der Bühne angezündet, die Band betrat die Bühne und das Licht wurde dunkler. Der Graf sang im Hintergrund.

Schon in dieser Zeit merkte ich, dass es ein sehr emotionaler Abend werden würde. Der Verdacht sollte sich später am Abend noch bewahrheiten. Bereits mit dem zweiten oder dritten Lied ging die Zeitreise durch meine Vergangenheit los – war Unheilig in den letzten Jahren doch immer ein treuer Begleiter gewesen.

Ich durchlebte während der Lieder schöne und auch weniger schöne Augenblicke und drang immer tiefer in meine Geschichte ein. Einige Szenen waren hart: die leer geräumte Wohnung, einige Trennungen. Andere waren die schönsten meines Lebens: der Abend auf einem Dach in der Jerusalemer Altstadt, der erste Kuss mit der Liebsten. Auch dazwischen lagen Erinnerungen: die Ankunft beim Willo vor zwei Jahren (eine Ankunft voller Heilung), die Mitarbeit im Gebetsteam auf dem Freakstock letztes Jahr.

Die Tränen arbeiteten sich mit jedem Ton weiter vor, und bei “An deiner Seite” brachen sie hervor. (Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal öffentlich geweint?). Beim letzten Lied (Mein Stern) waren sie auch noch einmal da. Ein Lied, dass mich an meine Töchterchen erinnert.

Der Abend war sehr gelungen, sehr schon, sehr wohl tuend. Vielen Dank an den Grafen, an die Band und an die Frau Feuerengel. Diese schöne Reise in die eigene Vergangenheit wäre so ohne euch nicht möglich gewesen <3.